Mehr netto in petto – wie ich mein Nettoeinkommen maximiere

ariadne My Career / Meine Karriere , , ,

Lesezeit: 7 Minuten

Heute ist Weltspartag und ich war mit meinem Sohn bei der Bank. Sein Erspartes wird sortiert, gezählt und auf sein Konto gebucht. Zur Belohnung bekommt er ein kleines Geschenk, das ihn motivieren soll, weiter zu sparen. Fasziniert schaue ich mir den Münzzählautomaten an, der in Windeseile die Münzen sortiert und zählt. In solchen Momenten wäre ich gerne Dagobert Duck und würde am liebsten mit allen Münzen meines Geldspeichers den ganzen Tag mein Geld zählen lassen.

Leider reichen meine Geldvorräte nicht aus, um einen Geldspeicher zu füllen. Als Arbeitnehmerin bzw. Selbständige gibt es nur wenig Möglichkeiten, sein Nettogehalt (Nettolohn, Nettoeinkommen, usw.) zu beeinflussen. Aber unmöglich ist es nicht. Ich habe für mich drei Möglichkeiten entdeckt, die ich gerne mit Euch teilen möchte:
* Reduzierung der Krankenkassenbeiträge durch einen Kassenwechsel,
* Reduzierung der Steuer- und Sozialabgaben durch Nutzung einer betrieblichen Altersvorsorge und
* eine Gehaltserhöhung.

Wie sehen die Möglichkeiten konkret aus?

Tipps für Arbeitnehmer, um das Nettogehalt zu erhöhen

Krankenversicherung

Es gibt zwar eine Krankenversicherungspflicht, aber der Krankenversicherer darf frei gewählt werden. Hier lohnt sich ein Blick auf den Beitragssatz. In 2019 liegen die Beiträge zwischen 14,9% und 16,3%. Bei einem Bruttogehalt von 2.000 € würde ich monatlich von 298 € bis 326 € zahlen. Als Selbständige zahle ich den vollen Betrag, als Arbeitnehmerin teile ich mir den Beitrag mit meinem Arbeitgeber. Das sind 3.576 € jährlich (Arbeitnehmer: 1.788 €) bzw. 3.912 € (Arbeitnehmer: 1.956 €). Die Ersparnis beträgt 336 € (Arbeitnehmer: 168 €) im Jahr. Verdiene ich 4.000 € sind es bereits 672 € im Jahr. Das reicht zwar nicht, um einen Geldspeicher zu füllen, aber mir fällt Einiges ein, was ich mir dafür leisten könnte.

Der Wechsel ist unkompliziert. Wenn man bereits Pflichtmitglied oder freiwillig versichert ist, reicht eine Kündigung. Diese ist frühestens nach 18 Monaten möglich. Oder man nutzt das Sonderkündigungsrecht, wenn der Krankenversicherer erstmalig einen Zusatzbeitrag erhebt, den Zusatzbeitrag erhöht oder eine Prämienzahlung verringert wird oder wegfällt.

Ich prüfe alle 18 Monate, ob ich einen günstigeren Anbieter finde, der das von mir gewünschte Angebot führt und entscheide mich dann. So habe ich diesen Posten immer im Blick.

Altersvorsorge durch Gehaltsumwandlung

Um Steuern und Sozialabgaben legal einzusparen, nutze ich die betriebliche Altersvorsorge. Neben den Beiträgen für die gesetzliche Versicherung, darf man bis zu 8% der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) steuer- und 4% der steuer- und 4% sozialabgabenfrei nutzen. In 2019 sind es 268 € monatlich, die sozialversicherungsfrei für die Altersvorsorge genutzt werden können. Das kann in Form einer Direktversicherung, einer Pensionskasse oder Entgelt-umwandlung sein. Entscheidend ist, welches Modell der Arbeitgeber anbietet. Besteht keine betriebliche Altersversorgung, sollte man mit seinem Arbeitgeber sprechen. Er ist seit 2002 dazu verpflichtet, eine betriebliche Altersvorsorge anzubieten. (§1a Abs. 1 Satz 1 BetrAVG).
Je nach Modell wird ein Betrag bis zu 268 € monatlich eingezahlt. Viele Arbeitgeber bieten darüber hinaus Zuschüsse an. Für mich bedeutet es, dass ich für den Beitrag keine Steuer und Sozialabgaben zahle. Wenn ich Bruttogehalt umwandle, kann ich monatlich einen höheren Beitrag zahlen, als bei einer Beitragszahlung aus dem Nettogehalt. Anders ausgedrückt: 100 € brutto schmerzen nicht so sehr wie 100 € Beitrag aus dem netto.

Höhere Beiträge führen zu einer besseren Altersversorgung. Allerdings gilt zu beachten, dass die zukünftige Rentenzahlung zu 100% steuerpflichtig sein wird. Aber es es ist davon auszugehen, dass man einen niedrigeren Einkommenssteuersatz haben wird. Zumindest nach heutigem Stand.
Deshalb empfehle ich jedem, so viel wie nur möglich in die Altersvorsorge zu investieren. Zwar halte ich die gesetzliche Rente nicht für gefährdet, sehe aber auch, dass die Rentenzahlungen nicht unbegrenzt steigen können.

Wie hoch ist Dein Gehalt?

Wenn ich im Gespräch mit Mitarbeitern, zum Beispiel in einer Beratung über Altersteilzeit, nach dem aktuellen Gehalt frage, bin ich immer wieder verblüfft, dass ich keine Antwort erhalte. Da ich es sowieso im System nachsehen kann, gibt es keinen Grund, mir nicht diese Information zu geben. Mein Gegenüber weiß es schlichtweg nicht. Ich vermute, es liegt daran, dass jeder nur mit dem monatlich zur Verfügung stehenden Betrag rechnet und aus diesem Grund nur diesen nennen kann. Das erscheint mir am Plausibelsten. Aber sollte man nicht auch sein Bruttogehalt auswendig kennen? Wie kann ich sonst beurteilen, ob es angemessen ist oder ob jetzt ein Zeitpunkt wäre, um eine Gehaltserhöhung bitten?

Mehr Gehalt bitte!

Das Offensichtlichste: Um mehr Netto zu bekommen, benötige ich mehr Brutto. Und wie komme ich an eine außerordentliche Gehaltserhöhung? Als Selbständige akquiriere ich mehr Aufträge und erhöhe meinen Umsatz. Als Arbeitnehmer kann ich entweder nach einer höher dotierten Position suchen oder meinen Vorgesetzten um eine Gehaltserhöhung bitten. Wenn ich das im Gespräch mit Klienten vorschlage, habe ich meist meinen Satz noch nicht beendet, während mein Gesprächspartner zur Erklärung ansetzt,

  • warum es NICHT möglich ist,
  • man seinen Vorgesetzten darauf nicht ansprechen kann,
  • die Firmensituation es derzeit nicht hergibt, usw.

20% der Mitarbeiter
würden sich nach einem neuen Job umsehen, wenn ihr Chef ihre Anfrage nach einer Gehaltserhöhung ablehnen würde. Quelle: Arbeitsmarktstudie 2017 von Robert Half, 1.000 Bürofachkräfte aus Deutschland

Ich bleibe meist ruhig und gelassen und höre mir die Argumente an, bevor ich frage:“ Hast Du in den letzten sechs Monaten um eine Gehaltserhöhung gebeten?“ Die Antwort ist fast immer ein Nein. Warum nur bitten so wenige um eine Gehaltserhöhung? Liegt es daran, dass sich viele scheuen, das Thema anzusprechen? Das ist in den meisten Fällen eine Erklärung, sollte aber keine Entschuldigung sein. Wenn ich etwas nicht anspreche und darum bitte, wie kann ich es dann bekommen? Wir müssen mutig sein und das fordern, was wir wollen.

Du bekommst nicht das Gehalt, das Du verdienst, sondern das, was Du verhandelst.

Hermann Scherer

Die gute Nachricht ist, dass man lernen kann, mutig zu sein und sein Gehalt zu verhandeln. Dazu bedarf es einer gründlichen Vorbereitung und einer guten Gesprächsführung. In meiner Beratungstätigkeit werde ich oft gebeten, bei Gehaltsverhandlungen und Gesprächen mit den Vorgesetzten zu coachen. In der Regel verlaufen die anschließenden Gespräche positiv bis sehr positiv. Die investierte Zeit und Mühe haben sich gelohnt.

Mut zur Veränderung

Auch wenn man anfangs den Eindruck hat, man kann nichts ändern, können Kleinigkeiten Änderungen bewirken. Mit meinen Optionen habe ich etwas Geld und Steuern gespart und denke über Möglichkeiten nach, mein Einkommen zu erhöhen. Würde ich von Anfang an davon ausgehen, ich könne sowieso nichts ändern, hätte ich diesen Prozess nicht einmal gestartet. Eine Veränderung hätte nie stattgefunden. Die Initiative, etwas besser zu machen oder zu optimieren, ist eine wichtige Eigenschaft im Berufsleben.

Was hindert Dich daran, um eine Gehaltserhöhung zu fordern oder Einsparmöglichkeiten umzusetzen?

Schreibt mir gerne Eure Tipps oder hinterlasst einen Kommentar, was Ihr umgesetzt habt.

Bis dahin herzliche Grüße
Ariadne – von keep calm and grow your talent

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